2 wheels and 1 continent

Immer an der Westküste Afrikas entlang heißt es wieder von Dezember 2010 bis Februar 2011 für Tobias Attenberger.

Hier könnt ihr aktuelle Geschichten aus diesem faszinierenden Teil der Erde lesen, in den Hintergründen dieser Reise stöbern und eindrucksvolle Bilder genießen.

Viel Spaß!

Kontakt: tobias(ät)cruiseafrica.de

Sonntag, 23. November 2008

Guinea Conakry - T.I.M.A.


Vor Monaten haben ich den Film „Blood Diamonds“ gesehen. Abgesehen welch dramatische Thematik dieser behandelt und wie typisch amerikanisch diese umgesetzt wurde, war ich fasziniert von den Landschaftsaufnahmen. Grüne bewaldetete Berglandschaften durch deren Täler sich reißende, klare Flüße schlängeln, deren Lauf immer wieder durch Wasserfälle unterbrochen wird. Kleine Ansammlungen runder, strohgedeckter Hütten schmiegen sich an die dicht bewachsenen aus deren undurchdringbar scheinenden Wäldern eine exotische, wilde Tiervielfalt ruft.

Ist der Schauplatz des Filmes auch Sierra Leone, so ist dessen Nachbarstaat Guinea Conakry von mindestens gleicher Schönheit. Hier in der Region Fota Djalon habe ich das Afrika entdeckt, dass ich unter anderem erwartet habe. Ein ruhiges verträumtes Afrika mit angenehmen Temperaturen und stilvollen, noch bewohnbaren Hotels aus der Kolonialzeit. Überall triff man anfangs sehr scheue, aber durchwegs freundliche Bewohner, die leider nicht die Amtssprache Französisch beherrschen, dafür umso besser die Sprache der Hände und Füße. Es ist traumhaft, zieht den Besucher seinen Bann, lässt einen jegliche Zeit vergessen und es fällt schwer sich wieder in „zivilisierteren“ Gegenden zurecht zu finden.

T.I.M.A. This is my Africa
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Samstag, 22. November 2008


Noch 250km dann bin ich an der Grenze Guinea - Mali. Die Straße soll angeblich nicht so gut sein. Nicht so gut? Welche Straße? Piste! Aber ganz mies. Über den zweiten Gang komme ich selten raus. 2 Tage brauche ich für die Strecke, übernachte in einem kleinen Dorf bei der Polizeistation und erreiche Bamako schließlich doch vor Sonja und Moritz.


Ein Puff war die einzige Übernachtungsmöglichkeit an der Grenze Burkina Faso – Mali. 500km weiter klopfen wir ausgerechnet an die Tür einer katholischen Mission in Bamako. Tobias wartet dort nach 6000km Westafrika leicht abgemagert aber fröhlich auf uns.

Fore Sakre – Roots Rock



Ein Schlag. Break. Noch ein Schlag. Wieder Break und dann setzen alle ein. Der Pavillon scheint zu explodieren. Eine fieser Rhythm folgt dem Nächsten. Schwarze Schönheiten wirbeln ihre langen Locken umher und bewegen ihre Körper wie man es nicht zu glauben wagt. Rastafaries zeigen Moves die man anatomisch nicht für möglich hält. Erneut ein Break. Nasaler Gesang ganz kurz. Ein Schlag. Break und alle setzen wieder ein, in einem unglaublichen Tempo. Es liegen so dicke Vibes in der Luft, dass es unmöglich ist ruhig zu halten. Die Bewegungen der Tänzer ziehen alle Blicke auf sich. Die Zuschauer scheinen wie hypnotisiert. Es ist Heiß, wie immer in subtropischen Gefilden. Die Haut der ganzen Crew glänzt vor Schweiß, doch dass scheint keinen davon abzuhalten alles zu geben. Rhythmen werden durch die Luft getragen die einem europäischen Gehör absolut unbekannt sind, sich aber sofort in die Seele brennen. Jeden Nachmittag wird geprobt in Fore Sakre, einer staatlichen Tanzschule in der Casamance Region im Süden Senegals. Langsam und unauffällig treffen die Tänzer ein und wie auf ein unsichtbares Zeichen hin legen alle auf einmal los. Drei Stunden dauert die Probe, fünf mal die Woche. Muhm, der Chef der ganzen Crew ist ein absoluter Perfektionist und ihm entgeht nicht der kleinste Fehler. Ihm ist es wohl auch zu verdanken, dass Fore Sakre bei dem jährlichen Bandwettbewerb in Dakar immer einen der ersten Plätze belegt. Immer wieder unterbricht er. Ob bei den Percussionisten an der Basstrommel, bei den Djemben oder bei den Tänzern. Er beherrscht alles und so ist es faszinierend, dass er mit 47 Jahren immer noch jede Bewegung vorführen kann. Capoeira würde wohl als Beschreibung dem Still der Tänzer am nähsten kommen. Aber nicht nur die Crew der Schule versammelt sich fast täglich, sondern auch für die Bewohner und vor allem für die Kinder Ziguinchors stellt dieses Ereignis eine willkommene Abwechslung dar in einer Region die in jüngster Vergangenheit immer wieder von Unruhen überschattet wurde. Langsam kommen wieder Touristen und somit auch wieder mehr Arbeitsplätze in diese sehr bewaldete und ursprüngliche Region, Fore Sakre ist aber wohl erst sehr selten von Weißen besucht worden. Muhm ist darüber aber eigentlich ganz froh, will er die Schule nicht zu einer Touristenattraktion verkommen lassen da die Qualität darunter leiden würde, befürchtet er. Wahrscheinlich nicht zu unrecht. Trotzdem sind alle hier an diesem Ort voll positiver Vibes, willkommen und dürfen gerne ein paar Tage bleiben um in die Wurzeln der Musik einzutauchen. Wurzeln die nun mal in Afrika verankert sind, in den Ahnenwäldern der Casamance. Wurzeln die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Wurzel die nachwievor rocken. Roots Rock....mehr

Dienstag, 18. November 2008

Cruise Mali

Montag, 3. November 2008

Les premiers cinq miles – 16889km

Vor genau einem Monat haben Soemek und ich das bayrische Oberland verlassen. 5000km haben wir seitdem zurueckgelegt. 5000km voller spuehrbarer Veraenderung. 5000km voller Hoehen und Tiefen. 5000km Abenteuer pur. Ein Rueckblick.

Weit entfernt scheint der Tag als ich bei leichtem Nieselregen und eissigen Temperaturen in Richtung Innsbruck aufgebrochen bin. Voll bepackt musste ich mich erstmal an die Fahreigenschaften des Mopeds gewoehnen. Nach einem schoenen Abend mit all meinen Komilitonen dort, ging es nach Genua und die Spannung und Nervositaet machte sich zum ersten Mal richtig bemerkbar. Ein Freund hatte mir noch zwei Flaschen Tegernseer Hell mitgegeben. Gierig kippte ich mir das Bier hinunter um den zitternden Knien Herr zu werden. Waehrend ich ueber die Rampe auf mein Schiff fuhr wusste ich, jetzt gibt es kein zurueck mehr.

In Marokko ging es dann durch diverse Bergregionen und ausser dem “kleinen” Ausrutscher bei dem wir ordentlich baden gingen, glich der Anfang der Reise eher einem angenehmen Motorradurlaub. Auf guten Strassen und bei angenehmen Temperaturen cruisten wir durch traumhafte, abwechslungreiche Landschaften. Die faszinierenden Szenarien um uns blieben seitdem. Von guten Strassen und angenehmen Temperaturen traeume ich seitdem nur noch.

Auch wenn man die gesamte Sahara mittlerweile auf einer Teerstrasse durchqueren kann, setzte der Sand meinem Soemek ziemlich zu. Die Kette knirschte, den Luftfilter konnte man besser als Luftblocker bezeichnen und der gesamte Motor war mit einer dicken Schicht Sand ueberzogen. Jeden Abend versucht ich alles zu reinigen. Mit wenig Erfolg. Nach wenigen Kilometern war wieder alles versandet. “Sahara Chain Massacre” eben.

Endlich mal alles ausbreiten in Gambia


Als wir dann langsam in die Sahel Regionen des Senegal vordrangen, wurde der Sand zwar weniger, die unangenehmen Geraesche aber blieben. Auf einem Camping in Gambia fand ich schliesslich den geeigneten Platz mich einer umfangreichen Saeuberung und Erneuerung Soemeks hinzugeben. An einer Tankstelle lies ich mein Bike waschen. Die beiden Jungs die fuer die Reinigung von Fahrzeugen zustaedig waren, streiteten sich schon fast, wer denn jetzt diese “grosse” BMW waschen darf. Letztendlich putzten und schrubten beide ueber eine Stunde daran und hatten sichtlich Spass. Alle anderen Autobesitzer mussten warten. So ein Bike darf man ja auch nicht alle Tage waschen. Ich hatte ein wachsames Auge ueber ihre flinken Haende und die 1,50 Euro die ich anschliesend zu bezahlen hatte, zauberten ein breite Grinsen in mein Gesicht. Ich gab jedem noch 50 Cent Trinkgeld und so zauberte ich auch ein breites Grinsen in ihre Gesichter. Die Kette habe ich anschliesend gleich ganz erneuert, den Luftfilter ausblasen lassen und noch einen Oelwechsel durchgefuehrt. Alles war wie neu. Kein Rasseln mehr, saubere Luftzufuhr und Soemek erstrahlte in neuem Glanz.


Soemek erstrahlt in neuem Glanz


Soemek cruist seit dem zuverlaessig durch tropische Landschaften, ueber Schlaglochpisten, durch Knietiefe Wasserloecher und ueber Daemme in Mangrovengebiete. Viele wollen mir mein Bike sofort abkaufen hier unten und ich wuerde eine Menge verdienen bei den Angeboten. Oftmals den doppelten Preis den ich in Deutschland gezahlt habe. Mein Soemek, meine Frau, ma cherie ist aber nunmal nicht zu verkaufen. Niemals.

Eine Freundschaft jenseits der Legalität

Philippe und Alpha (Namen von der Redaktion geändert)

Lachend klopft Philipe ihm auf die Schulter. “Und? Hast du Dir schon ein Taxi nach Dakar besorgt?” “Ach ja, Dakar. Nein bis jetzt noch nicht, aber irgendeinen verrückten Franzosen werd ich schon finden” gibt ihm Alpha mit einem breiten Grinsen zurück. Beide lehnen entspannt in ihren Stühlen. Sie bereiten Minztee zu, nehmen hin und wieder einen Zug vom feinsten aus dem Riffgebierge und albern herum. Das unaufhörliche Tosen der Brandung wird vom Wind herangetragen, die Füsse graben sich in den immer noch warmen Sand und über ihnen wölbt sich das endlose afrikanische Himmelszelt dessen Sterne noch intensiver glitzern zu scheinen als zu Hause in Europa.

Philipe ist aus Frankreich, verheiratet, hat eine Tochter und arbeitet als Automechaniker. Mit seinen 54 Jahren hat er schon des Öfteren die Reise nach Westafrika angetreten. Für ihn ist es Urlaub, nur die Finanzierung ist etwas extravagant: Er kauft zu Hause ein Auto. Meistens einen alten Mercedes. Richtet ihn soweit her, dass er sicher noch 5000km schafft, schraubt ein wenig am Tacho, packt noch ein paar zusätzliche alte Reifen ein und los gehts.

Alpha ist aus Mauretanien, erst 21 Jahre, spricht Französisch und gebrochen Englisch und arbeitet eigentlich als Guide für Touristen, wenn es denn welche gäbe. Er kennt Philip schon seit mehreren Jahren. Zusammengeführt hat beide aber nicht nur gegenseitige Sympathie, sondern vor allem geschäftliches Interesse. Alpha ist der Mittelsmann. Er stellt Kontakt zu potentiellen Käufern des jeweiligen Autos her, regelt die gesamten Grenzformalitäten und kümmert sich um nervige Polizisten. Ziel dieser Beziehung ist es das Auto in Mali zu verkaufen. Möglichst gewinnbringend versteht sich.

Philipe finanziert sich den ganzen Urlaub damit. Wenn er in Mali in den Flieger steigt, wird er genauso viel Geld in der Tasche haben, als zu Beginn seiner Reise. Alpha wird ca. 100 Euro für seine Dienste erhalten und kann davon locker ein paar Monate seine gesamte Familie ernähren. Ausserdem kommt er ein wenig rum in Afrika. Ob alles klappt ist zwar nicht gewiss, aber die Aussicht auf soviel Geld scheint ihn magisch anzuziehen. Legal ist das natürlich nicht, aber durchaus gewöhnlich. Ich frage Philipe, ob er denn keine Angst habe in ernsthafte Probleme mit der Polizei zu geraten? Er lacht nur und erzählt davon wie er mit 100 Gramm Haschisch an der marokkanischen Granze erwischt wurde und wie schnell er wieder aus dem Gefängniss war. Wie er ohne gültigen Zollstempel mit einem Kanu den Fluss zwischen Mauretanien und dem Sengal überquert hat, um der Polizei zu entwischen. “C’est l’afrique,” sagt man hier. “Das ist Afrika.” Alles ist möglich. Mit dem nötigen Kleingeld versteht sich.