2 wheels and 1 continent

Immer an der Westküste Afrikas entlang heißt es wieder von Dezember 2010 bis Februar 2011 für Tobias Attenberger.

Hier könnt ihr aktuelle Geschichten aus diesem faszinierenden Teil der Erde lesen, in den Hintergründen dieser Reise stöbern und eindrucksvolle Bilder genießen.

Viel Spaß!

Kontakt: tobias(ät)cruiseafrica.de

Montag, 3. November 2008

Eine Freundschaft jenseits der Legalität

Philippe und Alpha (Namen von der Redaktion geändert)

Lachend klopft Philipe ihm auf die Schulter. “Und? Hast du Dir schon ein Taxi nach Dakar besorgt?” “Ach ja, Dakar. Nein bis jetzt noch nicht, aber irgendeinen verrückten Franzosen werd ich schon finden” gibt ihm Alpha mit einem breiten Grinsen zurück. Beide lehnen entspannt in ihren Stühlen. Sie bereiten Minztee zu, nehmen hin und wieder einen Zug vom feinsten aus dem Riffgebierge und albern herum. Das unaufhörliche Tosen der Brandung wird vom Wind herangetragen, die Füsse graben sich in den immer noch warmen Sand und über ihnen wölbt sich das endlose afrikanische Himmelszelt dessen Sterne noch intensiver glitzern zu scheinen als zu Hause in Europa.

Philipe ist aus Frankreich, verheiratet, hat eine Tochter und arbeitet als Automechaniker. Mit seinen 54 Jahren hat er schon des Öfteren die Reise nach Westafrika angetreten. Für ihn ist es Urlaub, nur die Finanzierung ist etwas extravagant: Er kauft zu Hause ein Auto. Meistens einen alten Mercedes. Richtet ihn soweit her, dass er sicher noch 5000km schafft, schraubt ein wenig am Tacho, packt noch ein paar zusätzliche alte Reifen ein und los gehts.

Alpha ist aus Mauretanien, erst 21 Jahre, spricht Französisch und gebrochen Englisch und arbeitet eigentlich als Guide für Touristen, wenn es denn welche gäbe. Er kennt Philip schon seit mehreren Jahren. Zusammengeführt hat beide aber nicht nur gegenseitige Sympathie, sondern vor allem geschäftliches Interesse. Alpha ist der Mittelsmann. Er stellt Kontakt zu potentiellen Käufern des jeweiligen Autos her, regelt die gesamten Grenzformalitäten und kümmert sich um nervige Polizisten. Ziel dieser Beziehung ist es das Auto in Mali zu verkaufen. Möglichst gewinnbringend versteht sich.

Philipe finanziert sich den ganzen Urlaub damit. Wenn er in Mali in den Flieger steigt, wird er genauso viel Geld in der Tasche haben, als zu Beginn seiner Reise. Alpha wird ca. 100 Euro für seine Dienste erhalten und kann davon locker ein paar Monate seine gesamte Familie ernähren. Ausserdem kommt er ein wenig rum in Afrika. Ob alles klappt ist zwar nicht gewiss, aber die Aussicht auf soviel Geld scheint ihn magisch anzuziehen. Legal ist das natürlich nicht, aber durchaus gewöhnlich. Ich frage Philipe, ob er denn keine Angst habe in ernsthafte Probleme mit der Polizei zu geraten? Er lacht nur und erzählt davon wie er mit 100 Gramm Haschisch an der marokkanischen Granze erwischt wurde und wie schnell er wieder aus dem Gefängniss war. Wie er ohne gültigen Zollstempel mit einem Kanu den Fluss zwischen Mauretanien und dem Sengal überquert hat, um der Polizei zu entwischen. “C’est l’afrique,” sagt man hier. “Das ist Afrika.” Alles ist möglich. Mit dem nötigen Kleingeld versteht sich.

Keine Kommentare: