Irgendwo in den Vorstädten der Hauptstadt Benins, Coutonou, war es soweit. 10 000 km auf dem afrikanischen Kontinent.
In einem weiten Bogen bin ich seit dem Senegal in das Landesinnere vorgestoßen. In das Innere Afrika. Erst durch die beiden Guineas durch dichte tropische Vegetation und weite Berglandschaften, dann wieder hinein in das ewige flache Becken der Sahelzone, bis hin zum Rand der Wüste im Osten Malis. Immer dem Niger folgend. Von dort ging es fast nur noch gen Süden. Erst durch Burkina Faso und dessen Hauptstadt Ouagadougou, dann hinein in den Benin. Wieder von endloser Wüste und Steppe zu quirligen, tropischen Küstenländern. Diesmal am Golf von Guinea.
Ich hab also hinein geschaut in den Kontinent. Zumindest habe ich das versucht. Eigentlich aber hab ich nur an dessen Oberfläche gekratzt. Es ist oft schwer zu begreifen, schwer zu verstehen. Zwei absolut unterschiedliche Welten stoßen hier aufeinander. Es wird viel gestaunt und das von beiden Seiten. Es gibt viele freudige und schöne Begegnungen, aber auch sehr nachdenkliche. Die Armut ist allgegenwärtig.
Unangenehme Begegnungen gibt es leider auch. Meist mit der Staatsmacht in Person von Polizisten, Militär und solchen die es gerne währen. Wie schaut jetzt aber so ein Zusammenstoß von Reisenden und Staatsgewalt aus?
Auf dem Motorrad: Eine Straßensperre besteht meist aus einer eingeengten Fahrbahn und ein paar bewaffneten Uniformträgern. Normalerweise werden nur Autos und Lastwagen angehalten. Die kleinen, allgegenwärtigen Mopeds interessieren keinen und so ist auch immer ein kleiner Durchschlupf für diese vorgesehen. Ich gebe ja zu, dass meine BMW ein wenig größer ist, doch ich finde sie weißt mehr Ähnlichkeiten mit einem Moped auf, als mit einem Auto: 2 Reifen, 2 Sitzplätze (es sitzen auch schon mal 5 Leute auf so einem Ding) und die Leistung meiner BMW übersteigt eh beide Kategorien (hihi). Also reihe ich mich in der Mopedschlange ein. Versuche mitzuschwimmen. Möglichst lange unentdeckt zu bleiben, um schließlich freundlich grüßend an den wild umherfuchtelnden Uniformierten vorbei zu brausen. Wer stehen bleibt hat verloren! Die Straßensperren dienen oft als Einnahmequelle und so wäre natürlich ein Weißer auf einem riesigen Motorrad ein gefundenes Fressen. Wenn ich durch bin blicke ich immer in den Rückspiegel ob jemand die Waffe in Anschlag bringt. Manchmal schafft man es aber nicht so leicht und man muss anhalten. Oft sind die Beamten nur an mir interessiert. Woher komme ich? Wohin will ich? Wie schnell fährt mein Motorrad? Bin ich wirklich die ganze Strecke hier runter gefahren? Wie viele Kilometer? Usw. usf. Manchmal, und das sind wirklich nur Ausnahmefälle, kommt es aber auch anders. Im Süden Senegals versperrt mir ein Polizist den Weg. Ich halte am Straßenrand. Mit umhängender Maschinenpistole kommt er kopfschüttelnd auf mich zu. „Oh, oh. Da hat jemand einen großen Fehler gemacht,“ meint er. Seine Alkoholfahne schlägt mir ins Gesicht. Ungläubig frage ich nach dem Problem. „Du hast gerade nicht geblinkt, als du rechts rangefahren bist!“ Das kann er jetzt nicht ernst meinen denke ich und breche in schallendes Gelächter aus (Fehler Nr.1). Der Beamte glaubt ich mache mich über ihn lustig und verlangt nach meinem Pass. Sicher mache ich mich über ihn lustig. Hier blinken? Ich zeige auf vorbeifahrende Autos, die nicht einmal einen Blinker haben. Geschweige denn andere Lichter, funktionierende Bremsen, Scheiben, Sitzplätze, usw. usf. Die meisten Gefährte hier haben gar nichts, außer vier Reifen, einen Motor und viel zu viele Leute und Gepäck an Board. Der betrunkene Polizist wird wütend und droht mir. Ich gebe ihm meinen Ausweis (Fehler Nr. 2). Er verschwindet damit in seiner Hütte und ich folge ihm. Auf ein Papier kritzelt er meinen „Strafzettel“. 28000 CFA will er (umgerechnet fast 50 €). Ich muss wieder lachen (Fehler Nr. 3). Wenn ich nicht bereit wäre zu zahlen, müsse ich noch vier Stunden warten, um dann mit ihm auf die Wache in die nächste Stadt zu fahren. Jetzt geht’s aber zu weit. Ich verlasse ohne ein Wort die Hütte. Setze mich neben meinem Moped auf den Boden und rauche gemütlich eine Zigarette. Anschließend gehe ich zurück, erkläre ihm, dass das so einfach nicht geht. „Ich bin Student....mein Traum von Afrika....nicht viel Geld....will über eure Kultur erfahren.....“ laber, sülz, schwaffel. Nach einer halben Stunde hab ich ihn schon bei 10000 CFA. Immer noch zu viel. Wieder zum Moped. Wieder rauchen. Einfach seinem Gegenüber zeigen, dass man mindestens genauso viel Zeit hat wie er. Schließlich habe ich meinen Freund nach einer weiteren halben Stunde Diskussion verlassen dürfen. Mit meinem Pass, ohne zu zahlen, dafür hat er einen „Cruiseafrica“-Sticker bekommen.
Zu Fuß: Ich bin in Kankan, einer kleinen Stadt in Osten Guineas. Den ganzen Tag treibe ich mich schon auf dem Markt herum und filme mit meinem Fotoapparat. Ich versuche so etwas immer äußerst diskret durchzuführen, halte ihn einfach in der Hand, als ob ich ihn nur tragen würde und das Video läuft. Ich überquere gerade eine lebhafte Straße und ein wütender Uniformierter (ob Polizei oder Militär ist oft nicht so genau festzustellen) stürmt auf mich zu. Er greift nach meiner Kamera und will sie mir aus der Hand reißen. Ein kurzes Handgemenge entsteht, doch ich kann die Kamera bei mir behalten und lasse sie sofort in meiner Hosentasche verschwinden. „Das ist verboten. Dazu braucht man eine Genehmigung. Die Kamera wird konfisziert!“ schreit mich ein 2 Meter hoher Schrank an. Meine Kamera konfiszieren. Ja geht’s eigentlich noch? (Eine fast volle Speicherkarte war zu diesem Zeitpunkt drin. Ohne Backup!) Ich versuche freundlich zu bleiben, erkläre ihm, dass es diese Genehmigung seit 3 Jahren nicht mehr gibt (was auch stimmt) und will mich verabschieden. Er scheint noch nicht so ganz überzeugt und hält mich am Arm. Ich solle jetzt mitkommen zum Präsidium, meint er. Da kommt die Idee. „Zum Präsidium? Ja da war ich gerade und habe extra gefragt, ob ich fotografieren darf. Dort sagte man mir, es gäbe keine Probleme. Ich habe mit dem Präfekt gesprochen.“ Mein Gegenüber verstummt und überlegt. Er weiß nicht ob er mir glauben soll. Wenn ich die Wahrheit erzähle, wird er ganz schön Ärger bekommen. Er entschließt sich gegen das Risiko und lässt mich laufen. Das Präsidium habe ich nie gesehen, ich wusste gar nicht das es so etwas gibt und hätte er es nicht erwähnt, wäre ich nie auf diese geniale Notlüge gekommen.
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Ich hab also hinein geschaut in den Kontinent. Zumindest habe ich das versucht. Eigentlich aber hab ich nur an dessen Oberfläche gekratzt. Es ist oft schwer zu begreifen, schwer zu verstehen. Zwei absolut unterschiedliche Welten stoßen hier aufeinander. Es wird viel gestaunt und das von beiden Seiten. Es gibt viele freudige und schöne Begegnungen, aber auch sehr nachdenkliche. Die Armut ist allgegenwärtig.
Unangenehme Begegnungen gibt es leider auch. Meist mit der Staatsmacht in Person von Polizisten, Militär und solchen die es gerne währen. Wie schaut jetzt aber so ein Zusammenstoß von Reisenden und Staatsgewalt aus?
Auf dem Motorrad: Eine Straßensperre besteht meist aus einer eingeengten Fahrbahn und ein paar bewaffneten Uniformträgern. Normalerweise werden nur Autos und Lastwagen angehalten. Die kleinen, allgegenwärtigen Mopeds interessieren keinen und so ist auch immer ein kleiner Durchschlupf für diese vorgesehen. Ich gebe ja zu, dass meine BMW ein wenig größer ist, doch ich finde sie weißt mehr Ähnlichkeiten mit einem Moped auf, als mit einem Auto: 2 Reifen, 2 Sitzplätze (es sitzen auch schon mal 5 Leute auf so einem Ding) und die Leistung meiner BMW übersteigt eh beide Kategorien (hihi). Also reihe ich mich in der Mopedschlange ein. Versuche mitzuschwimmen. Möglichst lange unentdeckt zu bleiben, um schließlich freundlich grüßend an den wild umherfuchtelnden Uniformierten vorbei zu brausen. Wer stehen bleibt hat verloren! Die Straßensperren dienen oft als Einnahmequelle und so wäre natürlich ein Weißer auf einem riesigen Motorrad ein gefundenes Fressen. Wenn ich durch bin blicke ich immer in den Rückspiegel ob jemand die Waffe in Anschlag bringt. Manchmal schafft man es aber nicht so leicht und man muss anhalten. Oft sind die Beamten nur an mir interessiert. Woher komme ich? Wohin will ich? Wie schnell fährt mein Motorrad? Bin ich wirklich die ganze Strecke hier runter gefahren? Wie viele Kilometer? Usw. usf. Manchmal, und das sind wirklich nur Ausnahmefälle, kommt es aber auch anders. Im Süden Senegals versperrt mir ein Polizist den Weg. Ich halte am Straßenrand. Mit umhängender Maschinenpistole kommt er kopfschüttelnd auf mich zu. „Oh, oh. Da hat jemand einen großen Fehler gemacht,“ meint er. Seine Alkoholfahne schlägt mir ins Gesicht. Ungläubig frage ich nach dem Problem. „Du hast gerade nicht geblinkt, als du rechts rangefahren bist!“ Das kann er jetzt nicht ernst meinen denke ich und breche in schallendes Gelächter aus (Fehler Nr.1). Der Beamte glaubt ich mache mich über ihn lustig und verlangt nach meinem Pass. Sicher mache ich mich über ihn lustig. Hier blinken? Ich zeige auf vorbeifahrende Autos, die nicht einmal einen Blinker haben. Geschweige denn andere Lichter, funktionierende Bremsen, Scheiben, Sitzplätze, usw. usf. Die meisten Gefährte hier haben gar nichts, außer vier Reifen, einen Motor und viel zu viele Leute und Gepäck an Board. Der betrunkene Polizist wird wütend und droht mir. Ich gebe ihm meinen Ausweis (Fehler Nr. 2). Er verschwindet damit in seiner Hütte und ich folge ihm. Auf ein Papier kritzelt er meinen „Strafzettel“. 28000 CFA will er (umgerechnet fast 50 €). Ich muss wieder lachen (Fehler Nr. 3). Wenn ich nicht bereit wäre zu zahlen, müsse ich noch vier Stunden warten, um dann mit ihm auf die Wache in die nächste Stadt zu fahren. Jetzt geht’s aber zu weit. Ich verlasse ohne ein Wort die Hütte. Setze mich neben meinem Moped auf den Boden und rauche gemütlich eine Zigarette. Anschließend gehe ich zurück, erkläre ihm, dass das so einfach nicht geht. „Ich bin Student....mein Traum von Afrika....nicht viel Geld....will über eure Kultur erfahren.....“ laber, sülz, schwaffel. Nach einer halben Stunde hab ich ihn schon bei 10000 CFA. Immer noch zu viel. Wieder zum Moped. Wieder rauchen. Einfach seinem Gegenüber zeigen, dass man mindestens genauso viel Zeit hat wie er. Schließlich habe ich meinen Freund nach einer weiteren halben Stunde Diskussion verlassen dürfen. Mit meinem Pass, ohne zu zahlen, dafür hat er einen „Cruiseafrica“-Sticker bekommen.
Zu Fuß: Ich bin in Kankan, einer kleinen Stadt in Osten Guineas. Den ganzen Tag treibe ich mich schon auf dem Markt herum und filme mit meinem Fotoapparat. Ich versuche so etwas immer äußerst diskret durchzuführen, halte ihn einfach in der Hand, als ob ich ihn nur tragen würde und das Video läuft. Ich überquere gerade eine lebhafte Straße und ein wütender Uniformierter (ob Polizei oder Militär ist oft nicht so genau festzustellen) stürmt auf mich zu. Er greift nach meiner Kamera und will sie mir aus der Hand reißen. Ein kurzes Handgemenge entsteht, doch ich kann die Kamera bei mir behalten und lasse sie sofort in meiner Hosentasche verschwinden. „Das ist verboten. Dazu braucht man eine Genehmigung. Die Kamera wird konfisziert!“ schreit mich ein 2 Meter hoher Schrank an. Meine Kamera konfiszieren. Ja geht’s eigentlich noch? (Eine fast volle Speicherkarte war zu diesem Zeitpunkt drin. Ohne Backup!) Ich versuche freundlich zu bleiben, erkläre ihm, dass es diese Genehmigung seit 3 Jahren nicht mehr gibt (was auch stimmt) und will mich verabschieden. Er scheint noch nicht so ganz überzeugt und hält mich am Arm. Ich solle jetzt mitkommen zum Präsidium, meint er. Da kommt die Idee. „Zum Präsidium? Ja da war ich gerade und habe extra gefragt, ob ich fotografieren darf. Dort sagte man mir, es gäbe keine Probleme. Ich habe mit dem Präfekt gesprochen.“ Mein Gegenüber verstummt und überlegt. Er weiß nicht ob er mir glauben soll. Wenn ich die Wahrheit erzähle, wird er ganz schön Ärger bekommen. Er entschließt sich gegen das Risiko und lässt mich laufen. Das Präsidium habe ich nie gesehen, ich wusste gar nicht das es so etwas gibt und hätte er es nicht erwähnt, wäre ich nie auf diese geniale Notlüge gekommen.
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